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Interview mit Bastian Ringsdorf zu Fondsmanagement durch BIG DATA

Am 22.11. veröffentlichte die Tageszeitung "Luxemburger Journal" ein Interview mit unserem Gründer und Geschäftsführer Bastian Ringsdorf zu Thema:
Was können Computerprogramme besser leisten als wir selbst?

Mit der Nutzung von „Künstlicher Intelligenz“ soll menschliches Handeln durch Maschinen nachgebildet und menschliche Fehler vermieden werden. Doch ist die künstliche Intelligenz wirklich intelligenter als der Mensch und kann diesen gar ersetzen? Dazu Bastian Ringsdorf, Generaldirektor von Michulke&Ringsdorf Investmenttechnologies S.à.r.l. im Gespräch. Sein Unternehmen liefert mit seinen Modellen von Künstlicher Intelligenz Wetterprognosen genauso wie Betrugsmustererkennung oder Prognosen für Börsenhändler wie für den Energiehandel in Europa.

Sind Computer die besseren Fondsmanager?

BASTIAN Ringsdorf Wir haben dazu natürlich eigene Studien gemacht. Ja, das ist definitiv so. Wir haben die Erfahrung, dass in klassischen Aktienprodukten Maschinen deutlich besser sind, weil sie Aktien besser prognostizieren. Maschinen können Signale viel schneller interpretieren und umsetzen. Wir haben dazu einmal einen EuroStoxx-50-Fonds imitiert, wo der Computer durchschnittlich 5% p.a. besser als die Benchmark abschnitt. Es ist aber nicht nur die bessere Rendite, sondern dazu kommt auch die Risikominimierung: Mit unserem System hatte der Fonds ein niedrigeres Risiko, weil die Kursschwankung niedriger war. Das ganze setzen wir nächstes Jahr übrigens mit einem eigenen Hedgefonds um: Die Maschine beobachtet etwa 100 Aktien, von denen dann die Top-5 gekauft, und die schlechtesten fünf verkauft werden. Als wir dieses System letztes Jahr testeten, konnte die Maschine 83% Rendite vorweisen.

Machen automatische Handelssysteme also Börsenmakler oder Fondsmanager überflüssig?

Ringsdorf Ich würde sagen, zumindest sind sie ersetzbar. Menschen sind nachrichtengetrieben. Jemand wurde gewählt oder abgewählt, das beeinflusst uns. Wir sollten aber mehr methodengetrieben arbeiten und die kurz- bis mittelfristige Arbeit den Maschinen überlassen, so dass der Fondsmanager aus dem Tagesgeschehen aussteigt und mehr von oben drauf schaut. Die Prognosen können die Maschinen besser erstellen, weil sie emotionslos sind, neutraler und ohne „Vorbelastung“ zu irgendwelchen Produkten, Namen, Unternehmen. Etwa 15% der Aktienfonds sind derzeit europaweit computerbasiert gesteuert, das wird sich meiner Meinung noch erhöhen. Sicher wird es aber nicht die Mehrheit werden, allein weil Investoren auch Ansprechpartner haben wollen. Andererseits könnte man bei Maschinen sicher eher als bei Menschen nachweisen, woran ein Fehler lag und diesen dann korrigieren.

Computer-Börsenhandel steht aber auch in der Kritik, nichts mit echtem Investieren zu tun zu haben?

Ringsdorf Ich sehe es definitiv so, dass wirkliche Wertschöpfung - und positiv für alle - nur durch gute Prognose möglich ist. Das bekommt man mithilfe der künstlichen Intelligenzen hin. Wenn der Markt irrational abstürzt, reagiert die Maschine eher dem entgegen, weil sie auf Prognose und nicht auf Emotion aufbaut. Dabei muss man prognosefreie und prognosegetriebene Systeme unterscheiden; bei letzteren werden lediglich Kauf- oder Verkaufsorder ausgelöst, wenn eine bestimmte Bedingung erfüllt ist. Unsere Prognosesysteme bauen hingegen auf einen Horizont von zwei bis sechs Wochen auf, dienen also nicht dem Zocken.

Wie ist Ihr Unternehmen entstanden?

Ringsdorf Das Unternehmen entstand mit universitärem Hintergrund. Ich selbst komme aus dem Bereich Fondsmanagement, ich bin Aktienanalyst. Im Rahmen meiner Doktorarbeit hab ich Michulke kennengelernt, der sich mit dem Themengebiet „General Game Playing“ beschäftigte - das bezieht sich darauf, dass verschiedene Computersyteme einzelne Spiele wie Schach u.s.w. beherrschen. Mein Partner Michulke ging weiter und hat ein System entwickelt, das Spiele beobachtet und losgelöst vom einzelnen Spiel die Regeln lernt. In diesem Kontext machten wir uns Gedanken, wie man ein System für den Kapitalmarkt entwickelt, das aus den unterschiedlichsten Datenquellen heraus Informationen kristallisieren kann. Dabei entstand unsere gemeinsame Idee, mehrere künstliche Intelligenzen mit unterschiedlichen Ansätzen, Herangehensweisen und Systemen in eine künstliche Intelligenz zu packen, die die einzelnen nebeneinandersetzt und mit Informationen füttert. Die Daten werden verdichtet, nach Mustern untersucht, die in Prognosen umgerechnet werden, die dann von einer übergeordneten „künstlichen Intelligenz“ nochmal neu bewertet und verdichtet werden.

Wobei kann künstliche Intelligenz noch helfen?

Ringsdorf Hochspannend und extrem wichtig ist derzeit für uns der Energiemarkt. Es entsteht immer mehr regenerative Energie, Windanlagen, Biomasse-Kraftwerke, Solaranlagen… Das hat, wetterabhängig, Auswirkungen auf eingespeiste Strommengen, die das Netz manchmal nicht bewältigen kann. Daneben hat die Schwankung von Angebot und Nachfrage auch eine Auswirkung auf den Strompreis. Hier haben wir ein System entwickelt, das Informationen aufnimmt, z.B. wie sich das Wetter entwickelt, wo sind Solaranlagen, wo Windanlagen installiert und in welcher Höhe, was kostet Kohle gegenwärtig, wie ist der Wasserstand der Rhône, was dazu führen kann, dass in Frankreich Atomkraftwerke abgeschaltet werden und so fort. Zusammen mit Spezialisten aus der Energiewirtschaft haben wir Modelle ausgearbeitet und angepasst für einen großen Energiehändler in Norddeutschland, der das Modell bereits erfolgreich nutzt. Wir verkaufen dabei nicht unsere Software, sondern verkaufen die errechneten Ergebnisse. Die Software, die für alles, was man prognostizieren kann, anwendbar ist, haben wir in verschiedenen Datacenter, unter anderem in Luxemburg. Und sie wird stetig weiterentwickelt.

 

http://www.journal.lu/article/kuenstliche-intelligenz/